Kann man sich Verluste aus Online Casinos zurückholen?

Gesetzgebung und Rechtsprechung im Bereich der Online Casinos sind vielschichtig und kompliziert. Nach deutschem Recht ist Online-Glücksspiel nur in Schleswig-Holstein umfassend reguliert. Da jedoch das staatliche Glücksspielmonopol anfechtbar ist, berufen sich die Anbieter auf ihre EU-Lizenzen und die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der Union. Kann man dennoch seine Verluste von den Glücksspiel-Anbietern zurückfordern?

Casino-Anwälte nehmen sich der Sache an

Immer wieder liest man davon, dass ein Casino-Anwalt erlittene Verluste beim Glücksspiel um echtes Geld im Internet zurückholen kann. Inzwischen gibt es einige Anwaltskanzleien, die sich auf diese Fälle spezialisiert haben. Sie argumentieren, dass die Glücksspielanbieter ein illegales Angebot bereitstellen und Einzahlungen von Spielern aus Deutschland gar nicht erst hätten annehmen dürfen. Die seriösen Betreiber unter den Online Casinos hingegen kontern, dass sie mit einer gültigen EU-Lizenz agieren.

Dass die Behörden sie gewähren lassen, scheint den Standpunkt der Anbieter zu untermauern. Bislang ist unserem Expertenteam kein letztinstanzliches Gerichtsurteil bekannt, dass einem Online Casino mit EU-Lizenz das Anbieten von Spielautomaten und Co. untersagt.

Das wissen die Casino-Anwälte und fordern die Betreiber deshalb nicht zu einem Kräftemessen vor Gericht heraus. Statdessen setzen sie die Zahlungsanbieter unter Druck. Manche der Transaktionsprovider wollen es wiedrum nicht auf einen Rechtsstreit anlegen und zahlen unter bestimmten Umständen etwaige Rückforderungen aus. Die Anwälte werfen ihnen vor, dass sie Einzahlungen in ein Online Casino nicht hätten erlauben dürfen.

Werden die Rückbuchungen tatsächlich ausgeführt?

Die Erfolgsaussichten variieren je nach Einzelfall. Wer sich fragt: Wie lange kann man Casino-Verluste über einem Anwalt zurückfordern? Die Antwort lautet: maximal 3 Jahre.

Die Erfolgsaussichten hängen allerdings von einigen weiteren Faktoren ab. Wenn das Casino mit einer europäischen Regulierung wie der maltesischen MGA unterliegt, dann hängt es vor allem von der benutzen Zahlungsmethode ab.

Ob man ganz einfach das Geld für Casino-Verluste zurückbuchen kann, hängt also vor allem vom Zahlungsdienstleister ab. Bei Paypal sind die Erfolgsaussichten gut. Casinos mit Paypal gibt es allerdings kaum noch. Darüber hinaus hängt es auch vom Bankinstitut ab, wobei es je nach Zahlungsmethode große Unterschiede gibt. Die Vertragsart ist eine gänzlich andere, je nachdem, ob man mit Kreditkarte einzahlt oder per Banküberweisung.

Das sind rechtliche Feinheiten, die uns im normalen Alltag kaum bewusst sind, hier aber eine Rolle spielen.

So kann man Casino-Verluste nicht zurückfordern

Experten sowie Casino-Anwälte sind bei Einzahlungen per Kreditkarte oder Debitkarte eher skeptisch und auch wer die Paysafecard nutzt, geht wohl leer aus. Den langwierigen Gerichtsprozessen gehen die Kanzleien lieber aus dem Weg, zumal die Erfolgsaussichten fraglich sind. Die Anwälte setzen voll auf außergerichtliche Einigungen und hohe Schadenssummen im Bereich mehrerer Tausend Euro. Wie viel man im Casino verlieren muss, um eine Rückbuchung zu veranlassen ist unterschiedlich. Die meisten Anwälte legen ab einer Schadenssumme von zirka 5.000€ los.

Wer darüber nachdenkt, Verluste aus dem Online Casino zurückzufordern, sollte also nicht die Kartenzahlung in Anspruch nehmen und auch von der Paysafecard die Finger lassen.

So klappt es (vielleicht) mit der Erstattung

Um Schulden bzw. Verluste, die duch das Spielen im Online Casino enstanden sind, zurückzuholen, sollte man also per Paypal einzahlen. Da diese Option kaum noch zur Verfügung steht, möchten wir die beste Alternative empfehlen. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, hängt es vor allem vom Bankinstitut ab. Einfach ausgedrückt: Verluste aus Banküberweisungen haben eine gute Chance auf eine außergerichtliche Einigung.

Die beste und schnellste Zahlungsgmethode für Online Banking ist der Zahlungsvermittler Trustly. Wer so einzahlt, kann unter Umständen die erlittenen Verluste mit Hilfe eines guten Anwalts erstattet bekommen. Wir haben hier die besten Casinos mit Trustly aufgelistet. 

Muss man Gewinne zurückzahlen?

Man könnte meinen: Wer Geld auf Grundlage vermeintlicher Illegalität zurückfordert, muss gleichzeitig erzielte Gewinne an die Casinos zurückzahlen.

Wenn man 5000 € Verlust von Casino A geltend macht, kann man auf derselben Rechtsgrundlage wohl kaum die 10.000 €, die man von Casino B gewonnen hat, einbehalten. Auch wenn diese Denkweise durchaus Sinn ergeben würde, die Realität sieht anders aus. Bei einer Rückforderung der Verluste ist die Bilanz, die man gegebenenfalls bei anderen Anbietern hat, explizit nicht Gegenstand der Verhandlung.

Unsere Bewertung der Praxis von Verlustreklamationen an Online Casinos

Dieses Thema haben wir innerhalb unserer Redaktion kontrovers diskutiert. Natürlich erscheint es fragwürdig, wenn man Gewinne gern mitnimmt, aber Verluste anfechtet mit dem Hinweis, das Glücksspiel hätte gar nicht stattfinden dürfen. Auch operieren zumindest die seriösen Online Casinos nicht ohne Lizenz und Regulierung, denn die Gültigkeit der MGA-Zulassungen würde ein Gericht aktuell wohl nicht anfechten.

Gleichzeitig ist es in einem Rechtsstaat immer legitim, den Rechtsweg zu bestreiten. Wer den Erfolg hat, dem gibt ebendieser Erfolg auch recht. Aktuell ist diese Praxis der Rückforderungen noch aussichtsreich, das wird sich auch innerhalb des kommenden Jahres kaum ändern. Wir prognostizieren jedoch 2 Szenarien, die das Rückbuchen von Casino-Verlusten schon bald erschweren könnten:

1. Ein Gerichtsurteil, das den Zahlungsdienstleistern und den Online Casinos recht gibt:

Experten sind geteilter Meinung, wie ein Urteil in solchen Fällen aussehen könnte. Nicht wenige Anwälte geben hinter vorgehaltener Hand zu, dass sie auf gütliche Einigungen ohne Richterspruch setzen, solange es eben geht. Die Summen werden aktuell noch aus der Portokasse gezahlt und die Anwälte streichen sich zufrieden ihren Anteil am erkämpften Geld ein. Sobald die Rückforderungen jedoch als Massenphänomen in Mode kommen, werden die Beteiligten es früher oder später auf ein richtungsweisendes Gerichtsurteil anlegen, um zu Rechtssicherheit zu gelangen.

2. Eine umfassende deutsche Regulierung von Glücksspiel im Internet:

Seit einigen Jahren werkelt die Landespolitik an einer gesamtdeutschen Glücksspielregulierung und ist bislang doch immer gescheitert. Nun gibt es einen erneuten Vorstoß, der gelingen könnte. Die neue Gesetzgebung soll auch Casinospiele im Internet erlauben. Wenn das eintritt, dann wird sich das negativ auf die Forderung von Verlustrückzahlungen auswirken. Vor dem Jahr 2022 werden Online Casinos jedoch voraussichtlich nicht von den Ländern reguliert werden.

Oscar Becker

Mehr über uns Oscar Becker

Ich heiße Oscar Becker und wurde 1981 in München geboren. Ich habe einen Abschluss in Medien und Kommunikation an der Freien Universität Berlin gemacht. Nachdem ich in London einige Jahre Wirtschaft studiert habe, entschloss ich, die Fahrspur zu wechseln und nach Malta zu ziehen, wo ich nach einiger Zeit zum Vollzeit-Pokerspieler wurde. Durch das Spielen schaffte ich mir gute Beziehungen in der Welt des Glücksspiels und wechselte bald zu Casinos über. Eins führte zum Anderen und heute bin ich Chefredakteur und Verantwortlicher für die Inhalte von CasinoKomplett. Ich bin wissensbegierig und mag investigativen Journalismus. Mein Lieblingsspiel ist Rise of Olympus, aber ich bevorzuge Live Casino. E-Mail-Kontakt: oscar [at] casinokomplett.com

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